Sollten Exen abgeschafft werden?

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Wir kennen das doch alle: Man steht neben dem Klassenzimmer, wartet auf die nächste Stunde, wirft vielleicht noch einen letzten halbherzigen Blick in die Unterrichtsmaterialien und die Lehrkraft erscheint mit dem vertrauten Trennwandkoffer.

Ist der Stress, den die unangekündigten Leistungserhebungen auslösen nun ein notwendiges Übel oder pädagogisch wertlos?

Auf der einen Seite führen Befürworter von Stegreifaufgaben an, dass sie den Lernenden helfen, sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Man lernt demnach scheinbar, ohne große Vorbereitung in der Lage zu sein, gute Antworten zu finden und Wissen parat zu haben. Unangekündigte Tests bieten den Schülern zugleich neben Referaten eine Möglichkeit, sich nach einer schwierigen Schulaufgabe wieder zu verbessern. Zudem werden regelmäßig notwenige Inhalte abgeprüft, wodurch man zu ständiger Vorbereitung auf die nächste Unterrichtseinheit und dadurch zu besseren Leistungen angehalten wird. Außerdem geht die Angst herum, dass Schüler ohne regelmäßige Kontrollen vor Schulaufgaben rasch ins Bulimie-Lernen (das kurzfristige Aneignen von Lernstoff) verfallen und ihre Noten ins Bodenlose stürzen.

Allerdings stimmen dem oben Genannten nicht alle zu. Auf der anderen Seite argumentieren nämlich Gegner von unangekündigten Leistungsnachweisen, dass dafür eher noch rasch in der Pause oder direkt vor Unterrichtsbeginn gelernt wird. Die Inhalte werden somit auch nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert und nach der Ex gleich wieder ausgespuckt (Achtung – Bulimie-Lernen). Nicht gerade nachhaltig … Zudem sorgt eine misslungene Stegreifaufgabe bei ohnehin mäßigem Lernerfolg eher für Demotivation und hilft nicht bei der intensiveren Auseinandersetzung mit den Inhalten. Stress und Angst sind eben nicht besonders gut fürs Lernen. Zahlreiche Studien bestätigen, dass man im entspannten Zustand mehr Wissen aufnehmen kann. Wird ein Test angekündigt, verliert er gleich einen großen Teil seines Schreckens und sorgt für ein Gefühl von Sicherheit. So könnte man effektiver lernen und die Chance nutzen, sich länger auf den Test vorzubereiten, als man es bei einer gewöhnlichen Stegreifaufgabe sonst könnte oder täte.

Sollten Exen also abgeschafft werden? Wie bei so vielen Fragen ist die Antwort nicht eindeutig. Obwohl über das Thema heftig diskutiert wird, ist noch kein Lösungsansatz in Sicht, der beide Seiten zufriedenstellt. Man könnte beispielsweise eine Mischung aus angekündigten Tests, welche dann selbstverständlich nachgeschrieben werden müssten, und Exen einführen, oder Letztere eben ganz ersetzen. Bis jetzt ist diese Entscheidung vollkommen den Lehrkräften überlassen, doch das könnte sich ändern. Fest steht, dass an unserem Bildungssystem nicht alles perfekt ist und es definitiv die eine oder andere Ausbesserung bräuchte, bis wirklich alle Schüler von sich behaupten würden, gerne in die Schule zu gehen.